China-Austausch #3 | Wie ein Marsmännchen…

China ist bekannt für eine strenge Regierung und die starke Kontrolle der Gesellschaft durch den Staat. Das politische System ist autoritär und sozialistisch, es herrscht die Kommunistische Partei. China ist demnach geprägt durch ein Einparteiensystem. Eine Frage, die ich mir vor meiner Reise gestellt habe, war, wie man die Auswirkungen der chinesischen Politik wahrnimmt. Das erste was auffällt, vor allem in „kleineren“ Städten (klein ist in China relativ, es gibt dort auch Millionenstädte, die keiner kennt), ist die fehlende Internationalität. In Beijing oder Shanghai haben wir natürlich auch viele Menschen aus westlichen Ländern getroffen. Aber in Ping-Yang (der Ort unserer Partnerschule) sind von den ca. 900.000 Einwohnern auch 900.000 Menschen Chinesen. Kein Wunder also, dass ich mich bei meiner Ankunft gefühlt habe, wie ein Marsmännchen. Und die Art und Weise, wie die Menschen dort reagiert haben, hat dieses Gefühl noch verstärkt.

Schüler der Ping-Yang Middleschool
Schüler der Ping-Yang Middleschool

Die Vermutung, dass zuvor keiner der Einwohner je einen Menschen aus Europa zu Gesicht bekommen hatte, war nun auch bestätigt. Schließlich wurde dann auch noch im regionalen Fernsehen über uns berichtet (wir wurden nach 36 Stunden ohne Schlaf an der Schule mit Kameras empfangen). Aber das war gar nichts im Vergleich zu unserem ersten Tag in der Ping-Yang-Middleschool. Unsere Gastschwestern und -brüder waren mittlerweile schon etwas abgeklärter, aber die anderen Schüler sind bei unserem Erscheinen im wahrsten Sinne des Worte ausgeflippt. Sie wollten am Ende sogar Autogramme und Fotos. Jetzt könnte man denken, die haben sie doch nicht mehr alle. Aber genau da sollte man sich wieder die politische Situation in China  vor Augen rufen. Die Regierung Chinas arbeitet gegen eine „Verwestlichung“ der Republik. Sie wollen keine Pressefreiheit oder Demokratisierung. Deswegen sind zum Beispiel auch Facebook oder Whatsapp verboten. Die Bürger Chinas unterliegen einer ständigen Kontrolle durch den Staat. Und wie reagiert nun jemand, der durch uns vielleicht das erste und auch letzte Mal mit der westlichen Welt in Verbindung kommt? Besonders für die jungen Leute, genau wie für uns, war es eine tolle Chance, die Kultur und Lebensweise eines anderen Landes kennenzulernen.

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