Mode und Kommerzialisierung

Die meisten Menschen haben heute das Glück, sich so anziehen zu können, wie sie gerade Lust haben. Frauen wie Männer. Der Einzige, der uns daran hindern kann, sind wir selbst. Nicht einmal durch Trends werden wir gezwungen, uns in einer bestimmten Art und Weise zu kleiden. Das war früher anders.

In vielen Epochen kleideten sich die Menschen nach einem bestimmten Hauptmodetrend, der durch geschichtliche Ereignisse, Politik und Gesellschaft beeinflusst wurde. In den Fünfziger Jahren zum Beispiel betonten weit ausgestellte Röcke und eine schmale Taille die Weiblichkeit der Frau. Zuvor in den Zwanziger Jahren begann die Emanzipation, und Frau trug Hose.

Heute bieten Trends eher einen Anhaltspunkt und inspirieren uns, damit wir in der Welt der Mode vor lauter Freiheiten nicht völlig untergehen. Große Designer präsentieren ihre Kreationen auf Laufstegen in aller Welt, und Modeketten wie H&M, Mango oder Zara machen die Haute Couture für uns alltagstauglich. Ständig gibt es einen neuen Trend, der schon bald durch den nächsten abgelöst wird.

Wer diesen schnellen Wechsel verfolgt, dem wird auffallen, wie unterschiedlich aufeinanderfolgende Trends oft sind. Waren im letzten Sommer kurze Röcke total angesagt, erklären Modezeitschriften diesen Sommer lange Röcke zum „must-have“. Hier kommt die Kommerzialisierung ins Spiel.

Die Modeindustrie versucht immer den größtmöglichen Umsatz zu erreichen, und mit der Abfolge unterschiedlicher Trends gelingt ihr das. Obwohl wir versuchen, so einzigartig wie möglich zu sein, haben wir ebenfalls den Drang, uns anzupassen, zum Beispiel durch Folgen der Trends. Hä? Wie passt das denn zusammen? Tatsächlich stehen diese beiden Bedürfnisse in einer Art „dialektischem Spannungsverhältnis“.

Es wäre einfacher zu sagen: „Ist mir egal was gerade im Trend liegt, ich trage weiterhin meinen Rock von vorletztem Jahr“. Aber so denken die wenigsten. Wir wollen in der Schnelligkeit unserer Gesellschaft nicht stehenbleiben, sondern mitlaufen, nein, mitrennen, und möglichst nichts verpassen. Also kaufen wir den langen Rock. Wir kaufen ihn, um „in“ zu sein. Wir kaufen ihn auch, weil wir einfach einmal Lust auf etwas Neues hatten. Und weil er an dem Model in der Vogue so gut aussah. Vielleicht kaufen wir ihn auch, um uns als ein Teil des „großen Ganzen“ identifizieren zu können. Wie dem auch sei, die Modeindustrie freut sich, und plant schon mal die nächste Sommerkollektion. Mit Röcken in Midilänge.

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