Elektrizität

Seit Kurzem pendele ich jeden Morgen zu meinem neuen Arbeitsplatz und habe eine Menge Zeit im Zug. Gestern habe ich mir am Bahnhof eine Zeitschrift mitgenommen, um Langerweile vorzubeugen, und einen sehr interessanten Artikel entdeckt: „Wie viel ist genug?“. Wie viel Energie, Wasser, Fleisch, Plastik, Reisen und Platz ist genug? Das ist ein wichtiges Thema, finde ich. Darüber kann man schon einmal nachdenken. Und beim Nachdenken ist mir ein weiterer Gedanke gekommen: Elektrizität, fließendes Wasser, Kopfschmerztabletten, das ist für uns alles selbstverständlich. Dabei gibt es viele Menschen auf der Welt, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben oder abends, nach einem anstrengenden Arbeitstag, nicht unter eine heiße Dusche steigen können. Eine Faktensammlung.


Kühlschrank, Handy, Heizungen und Licht: Das alles funktioniert nur mit Strom. Um den zu erzeugen, muss Energie gewonnen werden. Dafür nutzen wir Kernkraft, das Verbrennen fossiler Energieträger oder erneuerbare Energien wie Sonnen-, Wind- und Wasserkraft.

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Bis 2022 sollen alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Von da an müssen wir ohne Kernkraft (Anteil an Stromerzeugung momentan 14 Prozent) auskommen. Quelle: hier

Weil uns bald die Ressourcen ausgehen, wird im Moment viel Geld in die Erforschung der alternativen Energien gesteckt. Das ist auch gut so. Denn wenn fossile Energieträger wie Kohle oder Erdöl verbrannt werden, entstehen Treibhausgase, die den Klimawandel vorantreiben und damit eine Reihe von Umweltproblemen einleiten. Der Anstieg des Meeresspiegels, die Überflutung von Inseln, Naturkatastrophen wie Tsunamis oder heftige Unwetter und die globale Erwärmung sind nur wenige Beispiele. Dabei treffen die Auswirkungen des Klimawandels vor allem diejenigen, die weltweit am wenigsten Energie verbrauchen, nämlich Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Südamerika.

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Die USA und Westeuropa sind Spitzenreiter. Sie verbrauchen den meisten Strom auf der Welt. Quelle: hier

Außerdem muss der Anteil der Kernenergie am Stromverbrauch in Deutschland ausgeglichen werden. Alle Kernkraftwerke in Deutschland sind bis spätestens 2022 abgeschaltet. Auch das hat gute Gründe: Nuklearkatastrophen wie die in Tschernobyl und Fukushima zerstören nicht nur viele Menschenleben, sondern auch nachhaltig die ganze Umwelt.

1,4 Milliarden Menschen auf der Welt leben ohne Strom. Sie können kein elektrisches Licht nutzen, Wasser erwärmen oder mal eben das Handy aufladen. Sie leiden unter Energiearmut. Die meisten dieser Menschen leben in Afrika und Südasien.

Wer keinen Strom nutzen kann, braucht Biomasse, um kochen zu können, also zum Beispiel Holz oder Holzkohle. Wird die Biomasse unvollständig verbrannt, entstehen giftige Rauchgase. Sie sind die Ursache, warum (laut der World Health Organization) 4000 Menschen pro Tag sterben.

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Kein Strom in der Schule – für uns in Deutschland heute undenkbar. Quelle: hier

Energiearmut bedeutet auch: schlechte Bildungschancen, oft kein Zugang zu sauberem Trinkwasser und Hunger, weil keine Lebensmittel gekühlt werden können. Regionen ohne Stromversorgung können sich in Wirtschaft und Politik schlecht weiterentwickeln, die Menschen sitzen in der Armutsfalle fest.

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Wichtig: Auch in Europa gibt es Energiearmut. Die entsteht aber nicht, weil es überhaupt keine Stromversorgung gibt, sondern weil einige Menschen den Strom nicht bezahlen können. Quelle: hier

Ihr seht, wie viel von Elektrizität und technischem Fortschritt abhängt. Was mich aber am meisten wurmt sind die Ungerechtigkeiten zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Reiche Länder haben, logisch, den höchsten Stromverbrauch. Sie produzieren den größten Anteil an Treibhausgasen. Die Folgen des Klimawandels aber treffen vor allem die Menschen in Entwicklungsländern. Nicht nur, dass sie in Armut und oft ganz ohne Elektrizität leben; jetzt müssen sie auch noch unter den Auswirkungen unseres hohen Stromverbrauchs leiden. Damit ihr euch besser vorstellen könnt, wovon ich spreche:

„Mosambik ist 2000, 2001 und 2003 von Stürmen und Überflutungen heimgesucht worden, die hunderte Menschenleben kosteten und Zehntausende obdachlos machten. Rund 1,5 Millionen Menschen waren 2003 zudem von Hunger durch die schwere Dürre im südlichen Afrika bedroht. In der Republik Südafrika ist seit mehreren Jahren ein Trend zu Wetterextremen erkennbar. Die periodischen Niederschläge kommen zu spät. Dürre vernichtet die Ernten. Kommt der Regen endlich, dann mit verheerender Gewalt. Hunger und Krankheiten sind die Folge. Regen ist vom Segen zum Fluch geworden.“ (Quelle)

Und das war vor mehr als zehn Jahren. Je länger der Klimawandel voranschreitet (und das wird er), desto mehr Naturkatastrophen und Wetterextreme wird es geben.

„Afrika muss die Zeche zahlen für den Ausstoß der Treibhausgase der reichen Industrieländer und deren unzureichende Klimaschutzpolitik. Wissenschaftler beobachten weltweit eine Zunahme von Wetterextremen in Folge der globalen Erwärmung. Aber am härtesten trifft es die Ärmsten der Armen.“
Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid (Quelle)

Was können wir dagegen tun?
Strom sparen. Weniger oft heiß duschen, Stecker ziehen, Licht nur anmachen wenn nötig, effektiv heizen (Wärmedämmung nutzen) ist gar nicht schwer, eigentlich sollte das schon Routine sein.
Alternative Energien und öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
Regional und saisonal einkaufen.
Andere über den Klimawandel und seine Folgen informieren.

Was kann Deutschland in Zusammenarbeit mit anderen Industrieländern dagegen tun?
Tatsächlich zusammenarbeiten und Entwicklungsländer unterstützen.
Forschungsergebnisse (Stichwort alternative Energien) teilen.
In den Klimaschutz investieren.

Habt ihr noch Ideen, was wir gegen den Klimawandel unternehmen könnten? Schreibt es gerne in die Kommentare, ich freue mich über Feedback! 🙂

P.S.: Unser Stromverbrauch ist nicht alleiniger Grund für den Klimawandel. Weitere Ursachen sind künstliche Brände und Kriege, die Veränderung der Erdoberfläche und Eingriffe in den Wasser-, Wärme- und Energiehaushalt der Erde (Wasserentnahme, Bebauung). Dementsprechend können und müssen weitere Lösungsansätze gefunden werden (Recycling, weniger Fleisch essen, Elektroautos, …). Ganz schön komplexes Thema, dieser Klimawandel.


Quellen: globalmagazin.com, Spiegel, Welt, Wikipedia, Unesco, World Health Organization

Für den ersten Beitrag der Reihe „Wie viel ist genug?“ hier klicken.

4 Gedanken zu “Elektrizität

  1. Liebe Katinka, wie recht du mit deinem Fazit hast, es wäre gut, wen jeder im kleinen etwas versucht beizutragen. Es gibt ja auch nicht nur total öko oder komplett gedankenlos. Ich gebe z.B. zu, dass ich recht viel Fleisch esse, aber ich versuche an Wasser und Strom zu sparen, laste Maschinen voll aus, dusche nicht ewig und fahre kein eigenes Auto, sondern meist Bus und Bahn. Jeder kann einen Teil seines Lebens finden, in dem er etwas beitragen kann und das hilft schon viel.
    Viele liebe Grüße
    Chris

    Gefällt 1 Person

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