Schlachtfeld von Verdun

In der Schule gehörte ich zu denjenigen, für die Vergangenes ruhig in der Vergangenheit bleiben konnte. Geschichtsunterricht? Total langweilig. Bestimmt lag das nicht nur an mir, sondern auch den Lehrern und dem Lehrplan (Zweiter Weltkrieg und DDR bis zum Abwinken). Jetzt bereue ich es, nicht besser aufgepasst zu haben (und das schreibe ich nicht, weil mein Blog ab jetzt „Prädikat besonders wertvoll“ tragen soll). Unsere Geschichte ist oft unheimlich spannend. Schade, dass ich das erst jetzt richtig erkannt habe. 😉

Allerdings ist es schwierig, sich in vergangene Geschehnisse hineinzuversetzen. Ich kenne weder die Personen richtig, noch habe ich ein Bild vor Augen, wenn es um bestimmte Handlungsorte geht. (Ich finde, hier könnte man als Lehrer/in ruhig mal ansetzen. Sicher, jede Geschichtsstunde in eine Exkursion zu verwandeln geht nicht, aber immer im Klassenraum sitzen und dem Lehrer bei stundenlangen Monologen zuhören? Nee, sorry.)

Auf der Rückfahrt von unserem Frankreichurlaub haben wir kurz bei Verdun haltgemacht. Hier fand im Ersten Weltkrieg eine der brutalsten Schlachten der Geschichte statt. Bei der Schlacht um Verdun vom 21. Februar 1916 bis zum 19. Dezember 1916 wurden „377 000 Franzosen und 337 000 Deutsche […]  getötet, verwundet oder sind verschwunden“ (Quelle). Ganz schön viele Zahlen. Die Grausamkeiten, die dahinter stecken, werden durch Bilder vielleicht deutlicher.

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So sehen die angrenzenden Wälder um das ehemalige Schlachtfeld aus. Die kleinen Hügel sind durch einschlagende Granaten entstanden. Wer sich abseits der gesicherten Wege aufhält, begibt sich wegen möglicher Blindgänger in Lebensgefahr.

Bei Douaumont, einem kleinen Dorf, das während der Schlacht um Verdun vollkommen zerstört und nie wieder aufgebaut wurde, befindet sich heute eine Gedenk- und Grabstätte für gefallene Soldaten: Das Beinhaus von Douaumont.

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Schon von weitem ist das große Kreuz an der Außenseite der Gedenkstätte, die 1932 eingeweiht wurde, zu sehen. An der Eingangstür wurde in goldenen Buchstaben das Wort Pax angebracht – Frieden.

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130 Tausend (!) unbekannte französische und deutsche Soldaten sollen hier in Frieden ruhen. „Der Kreuzgang [im Inneren des Beinhauses] besteht aus 22 Abteilungen mit 46 Grabzellen aus Granit. Jedes Grab steht für einen Abschnitt des Schlachtfeldes und enthält Gebeine, die im jeweiligen Abschnitt gefunden wurden.“ (Quelle)
Außerdem befindet sich im Beinhaus eine kleine Kapelle, in der originale Fundstücke aus dem Ersten Weltkrieg ausgestellt sind. Darunter zum Beispiel Tagebucheinträge französischer Soldaten – verfasst vor genau 100 Jahren.

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Bewegungen der deutschen und französischen Truppen bei der Schlacht um Verdun. Von einer Informationstafel abfotografiert.

Der Besuch im Beinhaus von Douaumont hat mich sehr berührt, aber wahrscheinlich habe ich erst auf dem Soldatenfriedhof unterhalb der Gedenkstätte realisiert, welches Ausmaß die Schlacht hatte und wie viele Menschenleben dieser sinnlose Krieg kostete.

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Auf dem Soldatenfriedhof von Douaumont sind mehr als 16 Tausend französische Soldaten begraben, die bei der Schlacht um Verdun getötet wurden. Auf manchen Kreuzen sind Namen, Todesdaten und Herkunft eingraviert, auf anderen steht:

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„Drei unbekannte Soldaten. Gestorben für Frankreich 1914 bis 1918.“
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Die Gräber der muslimischen Gefallenen aus französischen Kolonien sind gen Mekka ausgerichtet.

Für die in der Schlacht um Verdun gefallenen Muslime wurde 2006 eine eigene Gedenkstätte errichtet. Sie sieht aus wie eine kleine Moschee und ist, finde ich, einer der friedlichsten Orte auf dem gesamten Areal.

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Sich die Bilder anzuschauen ist bestimmt nicht annähernd so erschreckend, wie auf dem Soldatenfriedhof zu stehen und auf die endlosen Reihen von Kreuzen und Grabsteinen zu schauen. Für mich wurde es erst dann real: In jedem dieser Gräber liegt ein Mensch, in manchen sogar zwei oder drei. Alle diese Menschen sind unter brutalsten Bedingungen gestorben, wurden erschossen, erstochen, durch Granaten, Flammenwerfer oder Giftgas getötet. Nicht umsonst nennt man das Schlachtfeld auch heute noch die Hölle von Verdun.

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Von einer Informationstafel abfotografiert. „Transport eines Verwundeten der Front.“ – 22. Dezember 1916

 


Quellen: verdun-tourisme.com, tourisme-verdun.fr, verdun14-18.de, geschichte-lexikon.de/schlacht-um-verdun

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