Von großen Gefühlen und einem olympischen Filmtipp

„Zwei Runden vor dem Ende eröffnet Kristina Vogel das Finale, noch eineinhalb. Sie ist noch nicht richtig hintendran aber jetzt kommt Rebecca James, lässt sich nochmal von oben richtig reinfallen, gleich die Glocke für die letzten 250 Meter, Kristina Vogel ist weit vorne, aber jetzt kommt die Britin, kann sie ausgleichen, super, Kristina, fahr, fahr, FAHR zu Gold! Auf, in die letzte Runde! Und dann nochmal reinfallen lassen! Jetzt kommt rechts außen die Britin, gleicht sie aus, noch ist Vogel vorne, UND ES REICHT!! Ist das knapp! Ein Fotofinish! Ein Fotofinish wird die Entscheidung bringen: Geht’s in einen dritten Lauf, oder nicht. … Sie hat es! SIE HAT ES! Kristina Vogel ist Olympiasiegerin.“

 

Kein Film hat es bisher geschafft, mich so zu packen. Nägelkauend sitze ich auf dem Sofa, die Augen auf den Fernseher gerichtet. Kann kaum stillhalten. Noch eine Runde. Komm, zieh durch, Du schaffst das! Es ist nur eine Wiederholung, aber das ist mir egal. Jaaaaaaaa! Sie holt tatsächlich Gold, und mir schießen die Tränen in die Augen. Was ist spannender als die Olympischen Spiele?

Hautnah erlebe ich mit, wie zwei 5000-Meter-Läuferinnen stürzen und am Ende doch noch, mit gegenseitiger Hilfe, das Ziel erreichen. Wie Turmspringer in Schrauben und Salti vom 3-Meter-Brett hechten. Wie Marathonläuferinnen in noch nicht einmal zweieinhalb Stunden ganze 42 Kilometer zurücklegen.

Was die Athleten bei den Olympischen Sommerspielen leisten ist unglaublich. Höher, schneller, weiter – alle vier Jahre werden die erstaunlichsten Rekorde gebrochen, so auch in Rio. Beim Stabhochsprung der Männer schien alles entschieden, als der Franzose Renaud Lavillenie die 5.98 Meter knackte. Würde Thiago Braz da Silva aus Brasilien nun trotzdem einen weiteren Versuch wagen oder nicht? Er tat es. Und stellte mit 6.03 Metern einen neuen Olympischen Rekord auf.

 

Egal welche Disziplin (ausgenommen ist nur Tischtennis, da weiß ich sowieso wer gewinnt 😉 ), am Ende sitze ich immer total begeistert und heulend auf dem Sofa und stelle mir vor, wie es wäre, bei Olympia anzutreten. Da braucht man doch Nerven wie Drahtseile. Und Training ab dem ersten Lebensjahr. Und man sollte aus einem Land ohne Staatsdoping kommen. Ja, Doping hat den Olympischen Sommerspielen einen bitteren Beigeschmack gegeben. Dass die Einwohner Rio de Janeiros unter den Spielen gelitten haben, auch. Dabei sollten gerade sie durch mehr Arbeitsplätze und ein verbessertes Verkehrsnetz profitieren. „Unsere Stadt wächst durch die Spiele zusammen. Rio wird lebenswerter und gerechter“, meinte der Bürgermeister Rios Eduardo Paes. Von wegen. Korruption (mehr Infos dazu in diesem Artikel) ließ die Reichen reicher und die Armen ärmer werden. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. „Man könnte sagen, es sind die Spiele der falschen Versprechen“, sagte Autor Jules Boykoff im Interview mit n-tv. Der Amerikaner schrieb das Buch „Power Games – eine politische Geschichte der Olympischen Spiele“ und lebte für seine Recherchen fünf Monate lang in Rio de Janeiro. „Egal, wen Sie in der Stadt fragen würden: Was halten Sie davon, zwölf Milliarden Euro für Olympische Spiele auszugeben? Fast jeder, ob er Sport mag oder nicht, würde sagen: Es ist ein Witz, angesichts echter Probleme, wenn Krankenhäuser geschlossen, soziale Leistungen zurückgenommen werden. Das ist der Konsens auf den Straßen von Rio.“

Abgesehen von den reichlichen negativen Aspekten der Olympischen Sommerspiele  (nicht nur in Rio), bin ich bekennender Fan der Idee Olympias. Menschen aus allen Nationen treten gegeneinander an. Vielfältigkeit und Fairness stehen im Vordergrund. Aber da fehlt doch was … Wie war das? Richtig: Dabei sein ist alles. Unter diesem Motto steht auch ein ganz besonderer Film, der im Frühling dieses Jahres in die Kinos kam. Also nicht traurig sein, dass die Olympischen Sommerspiele schon wieder vorbei sind. Sondern „Eddie the Eagle“ anschauen. 🙂

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Quelle

Eddie the Eagle erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, dessen größter Traum es ist, Olympionike zu werden. Als Kind probierte er alles aus. Hochsprung, Speerwerfen, Hürdenlauf. Und scheiterte. Jedes Mal. Bis er auf die Idee kam, als einziger und erster Engländer an den Skisprungwettbewerben der Olympischen Winterspiele teilzunehmen. Ohne Geld und ohne Trainer reist er nach Bayern, um sich seinen Traum zu erfüllen …

Der Film über Eddie „the eagle“ Edwards basiert auf einer wahren Geschichte und berührt. An vielen Stellen wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Spannend und humorvoll erzählt ist dieser Film absolut sehenswert. Ich hatte unglaublich viel Spaß im Kino und habe vor allem eins behalten: Nicht zu gewinnen ist das wichtigste, sondern der Mut und die Leidenschaft mitzumachen und nicht aufzugeben.

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