Nach Sankt Petersburg gebeamt | Fotostrecke

Manchmal, wenn ich Fotos mache, sehe ich die Realität aus einem ganz anderen Blickwinkel. Dem der Kamera, versteht sich. Es ist nämlich so: Jeden Tag (oder mindestens jeden zweiten Tag) an einem bestimmten Ort vorbeizugehen, führt zwangsläufig dazu, nicht mehr hinzuschauen. Alles ist wie immer, nichts hat sich verändert. Tja, und damit hat sich die Sache erledigt. Ich nehme nicht wahr, wie besonders schön oder besonders hässlich oder eben besonders wert-fotografiert-zu-werden dieser Ort ist. Und dann, in einem fast magischen Moment, schaue ich durch das kleine Sichtfenster meiner Kamera. Und staune. Wie nur konnte ich die ganze Zeit übersehen, was meine Kleinstadt alles zu bieten hat? Von der bunten Treppe, die im Sommer an ein italienisches Künstlerviertel erinnert (hier), bis zum Panoramablick über die Stadt und ihre angrenzenden Wälder (hier und hier) oder dem Karthausgarten. In dem nicht nur die besten es-ist-eigentlich-viel-zu-heiß-um-etwas-zu-essen-Sommerpicknicks bei 40 Grad im Schatten veranstaltet werden, sondern der im Winter aussieht, als wäre man eben mal nach Sankt Petersburg gebeamt worden (wobei ich eigentlich keine Ahnung habe, wie es in Sankt Petersburg aussieht, aber so stelle ich es mir vor).

img_5013

Von wegen, Eisenach sei langweilig (vielleicht mit 16 Jahren, ja doch, das verstehe ich. Und ein paar mehr Möglichkeiten zum Ausgehen wären nicht schlecht, mehr junge Leute sowie ein Café mit weinroten Plüschsesseln und bezahlbarem, gutem Kaffee. Aber man kann ja nicht alles haben).

img_5026img_5006img_4973img_5009img_5030img_5021

Natürlich ist es wunderbar, in Leipzig zu studieren, keine Frage, und ohne ein bisschen Großstadt zwischendurch würde ich in Eisenach vermutlich verrückt werden (erwähnte ich ja bereits: zu wenig junge Menschen). Aber die unendlich langen Spazierwege (letztens hätte ich mich beinahe verlaufen, Bilder von diesem kleinen Abenteuer folgen bald), mein Lieblingscafé auf dem Markplatz, das kleine Kino mit dem extrasüßen Popcorn und unseren Garten würde ich auf kurz oder lang sehr vermissen. Ich glaube ich weiß jetzt, wie sich Heimat anfühlt.