Tschüss Sucht? | Kolumne

Heute möchte ich mich von etwas verabschieden, das ich eigentlich gar nicht loswerden will. Ähm, HÄ? Wieso, weshalb, warum? Nun ja, es geht um die Sucht. Meine Sucht. Nach Schokolade, diversen Serien (Gilmore Girls foreveeer), dem Blog, nach Faulheit, schönen Schuhen, Büchern, meiner Kamera, Harmonie, gutem Essen und so weiter und so fort, würde ich an dieser Stelle alles aufzählen, säßen wir übermorgen noch hier. Ohne all diese Dinge wäre mein Leben nur halb so schön, wenn überhaupt. Schokolade rettet mich mindestens 354 Mal im Jahr, entweder vor totaler Verzweiflung, extremer Müdigkeit in ungelegenen Situationen oder Kummer. Mit den Gilmore Girls verbringe ich schätzungsweise zwei Stunden am Tag (oder drei, … manchmal auch vier, ich geb’s zu) und mir graut es schon davor, die allerallerletzte Folge zu erreichen (und nur deswegen schränke ich meinen Netflix-Konsum derart ein). Mein Blog ist mein Baby. Ihn aufzugeben … nein, ich kann es mir nicht mehr vorstellen. Faulheit braucht der Mensch einfach, so ist es doch; würden wir alle rund um die Uhr fleißig sein, bliebe keine Zeit mehr, um zum träumen. Schöne Schuhe machen glücklich. Bücher auch. Meine Kamera lässt mich die Welt aus ihrer Perspektive sehen, das ist unbezahlbar. Harmonie fühlt sich an, als würden die Menschen in Gleichklang leben. Sie beruhigt, erfrischt und entspannt. Manchmal kriegt mich nur der Gedanke an ein leckeres Frühstück aus dem Bett. Gutes Essen ist wie Medizin für die Seele. (Lacht nur, es ist so!) Die Sucht, die ich meine, bringt uns dazu, Dinge ständig zu wiederholen, weil sie uns gut tun. Dass sie uns damit von Wichtigem abhält, Lernen zum Beispiel oder Hausarbeiten, die in zwei Wochen fällig sind, interessiert sie nicht besonders. Vielmehr ist es ihr größter Wunsch, uns glücklich zu machen. Leider nicht nachhaltig, deswegen ist es ja so schwer, sie wieder loszuwerden. Liebe Sucht, danke, dass du mich fröhlich machst. Aber jetzt verschwinde, ich muss endlich mal anfangen, mein Essay zu schreiben. Los, verzieh dich!

5 Gedanken zu “Tschüss Sucht? | Kolumne

  1. Im Theater hatten wir einmal eine Assoziationsübung – jeder bekam ein Wort und musste pausenlos darüber reden. Ich hatte das Wort „Sucht“. Es war der reine Wahnsinn, was da aus mir heraus gesprudelt kam… am Ende stand das Wort ganz nackt und öffnete mir die Augen; SUCHt. Suchen… wonach? Ruhe, Verständnis, Geborgenheit, Kontrolle, Liebe. Eine Sucht ist ein Lückenfüller – und ich versuche herauszufinden, wofür und stoße auf unheimliche Gedanken (der passwortgeschützte Teil whatiswatching handelt davon). Was eine Sucht zu einer macht, ist meiner Meinung nach, die Illusion, die sie gibt, die sei frei von dem Träger gewählt und der Fakt, dass sie steuert, belastet und einengt. Eine Sucht ist nichts Gutes… das muss ich leider so loswerden.. sie kontrolliert alle Gedanken, jede Handlung, sich nicht leben, sondern lebt den Träger. Ich glaube die Dinge, die du beschreibst, sind „Bad Habits“. Und die füttern entweder unseren inneren Schweinehund (wenn wir eigentlich besseres zu tun hätten) oder unsere Leidenschaft (wenn wir -zu viel?- Zeit in hobbies, Dinge, die uns gut tun investieren). Scheint an Sucht zu erinnern, aber ich empfinde es als etwas ganz anderes.. vielleicht bin ich als „Betroffene“ auch zu sehr in der Thematik 😉 aber eins kann ich sagen:

    I FEEL YOU!!!!!!

    Gilmore Girls? Beste Leben!!
    Schuhe? Sprechen hundert Sprachen!!
    … 🙂

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    • Wow, was für ein langer (und kluger!) Kommentar, liebe (seidige)Saide 🙂 Vielleicht hast du Recht, und meine Süchte sind nur Gewohnheiten, die ich nicht aufgeben will, weil sie mich glücklich machen. Jeder interpretiert alles anders, und Sucht bedeutet meistens Kontrollverlust. Ich habe versucht, das Thema mit einem Augenzwinkern zu umschreiben 😉 Denn natürlich weiß ich, dass das Verlangen nach Schuhen oder Schokolade nicht mit Drogen-, Alkohol-, oder Spielsucht verglichen werden kann. Gut, dass du das hier ansprichst! Was mir gerade noch durch den Kopf geht: Aus kleinen Verlangen, wie ich sie im Beitrag beschrieben habe, kann nichtsdestotrotz „echte“ Sucht entstehen. Und das oft schneller, als gedacht.

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