Von Prioritäten, Bedürfnissen und Verantwortung

Meine Prioritätenliste: Zeit mit Freunden verbringen, studieren (wirklich und wahrhaftig, inklusive langen, komplizierten Vorlesungen und noch längeren, komplizierteren Texten – mehr dazu später), sporteln, essen, fotografieren, noch mehr Zeit mit Freunden verbringen, schlafen, lesen, bloggen. Bloggen. Ganz hinten. Wie konnte das passieren? Tja, es ist passiert. Und ich ärgere mich nicht darüber. Denn Prioritäten verschieben sich – mit unseren Bedürfnissen.

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Die herauszufinden fällt nicht jedem leicht. Bedürfnisse sind schließlich keine Ausrufezeichen, die einfach so im Kopf aufploppen. Und dir sagen: So. Du brauchst dringend … ein Zitroneneis mit Schokostreuseln. Oder einen gemütlichen Abend mit Buch, Kerze und Kakao. Oder deine Mama, die dir zuhört. Meine Bedürfnisse zum Beispiel haben die nervtötende Angewohnheit, sich erst bemerkbar zu machen, wenn es längst zu spät ist und ich keine Energie mehr habe. Akku leer – und dann erst wird mir klar, was fehlt: Schlaf, Zeit für mich, ein Tapetenwechsel. Zum Glück kann man lernen, regelmäßig in sich hineinzuhören und Bedürfnisse schneller zu erkennen. Und sie dann zu erfüllen. Versucht’s doch mal, nur so zum Test. (Wenn ich gerade so in mich hineinhöre, verspüre ich große Lust auf einen Mittagsschlaf und einen Espresso mit viel Zucker.)

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Man sollte so früh wie möglich damit anfangen, die eigenen Bedürfnisse wahr- und ernst zu nehmen. Sonst kommt man, wie meine Mama immer sagt, auf keinen grünen Zweig. Und stellt seine Prioritäten ständig hinter die, der anderen. Ein klein wenig Egoismus ist gesund und tut der Seele gut. 😉 Ich finde ja, dass wir alle das Bedürfnis verspüren sollten, uns selbst zu gefallen, und nicht den anderen. Dann könnten wir nämlich bunt geringelte Strumpfhosen zu Blümchenkleidern anziehen, ohne uns vor abschätzenden Blicken zu fürchten. Priorität Nummero eins wäre unser Bauchgefühl, gefolgt von Genuss und Spaß. Hach, wie wäre das Leben schön. (Morgen werde ich definitiv meine geringelte Strumpfhose anziehen.)

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Aber in meinem Studium habe ich gelernt, dass Sachverhalte immer in ihrem Kontext zu betrachten sind. Und deswegen wäre es vermutlich naiv zu behaupten, dass nur unsere Bedürfnisse, wenn wir sie denn erkannt haben, unsere Prioritäten bestimmen. In der Gleichung fehlt (mindestens) ein Faktor. Wir leben nicht allein und völlig disjunkt. (Ethnologie zu studieren macht Spaß, vor allem, weil die in äußerst leichter Sprache verfassten Texte, die ich lesen muss, extra viele Fremdwörter enthalten. So wird die Lektüre nie langweilig! Vielen Dank und Hut ab, ihr Philosophen und Wissenschaftler anderer Disziplinen, dass ihr eure Theorien und Gedanken so einfach und für jeden verständlich beschreibt. Denn das, oh ja, ist die wahre Kunst. Und seien wir ehrlich: Wer würde schon gesellschaftskritische Texte über den Ausschluss einer Minderheit verfassen, die niemand, schon gar nicht besagte Minderheit, versteht? Das wäre doch völliger Schwachsinn.)

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Wir orientieren uns an der Gesellschaft, in der wir leben. Auch an deren Prioritäten und Zielen. Meine und die folgenden Generationen zum Beispiel tragen eine große Verantwortung: Sie sollen Lösungen für all die langfristigen, globalen Probleme finden, welche das Leben auf der Erde eines Tages vielleicht unmöglich machen. Klimawandel, Umweltverschmutzung, Ressourcenmangel, Kriege, … Vielleicht ist es tatsächlich unsere Aufgabe, die Politik, Gesellschaft und das Zusammenleben auf dieser Welt zu verändern. Vielleicht sollte es die Priorität meiner Generation sein, anders zu denken. Nicht Leistung in den Vordergrund zu stellen, sondern Unterstützung. Konkurrenzdenken mit Zusammenarbeit zu ersetzen. Persönliche Bedürfnisse nicht immer denen der Gesellschaft unterzuordnen. Frieden zur obersten Priorität erklären, nicht Macht. Wer macht mit?

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8 Gedanken zu “Von Prioritäten, Bedürfnissen und Verantwortung

  1. Liebe Hannah,
    leben statt bloggen ist ein guter Ansatz (nur nicht für die Leser Deines Blogs…, aber die sind nicht das Wichtigste, sondern DU).
    Und (gesunder) Egoismus ist besser als sein Ruf.
    Danke für die klugen Gedanken.
    Dein Matze

    Gefällt 1 Person

    • Zum Glück ist das Leben nie schwarz-weiß (auch, wenn mich die Wirkung von schwarz-weiß Bildern immer wieder begeistert ;)). Es muss nicht ganz oder gar nicht sein. Leben UND bloggen, das funktioniert tatsächlich, in Balance. Aber die muss man erst mal finden. 🙂
      Danke für DEINE klugen Gedanken! Ganz liebe Grüße, Katinka ♡

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  2. Hey Hanni-bunni :*
    Es ist echt ein super Text und es macht einfach immer Spaß deine Texte zu lesen, weil man sich danach immer gut fühlt! Die Pointe ist echt klasse. Ich bin mit dabei :*

    Gefällt 1 Person

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