Warum uns die Prüfungsphase fertig macht und was dagegen hilft | eine Deeskalationsstrategie

Für Esti. Und Lotta und Freddie und Caro.
Sonntagabend, zwischen WG-Küche und Bad auf dem Flur, 17:49 Uhr

»Hast du heute Abend schon was vor? Wollen wir was Leckeres kochen und dann Sterne gucken gehen, im Park?«

»Nee, du, ich muss noch – «

»Lernen!! Ja, ich weiß. Aber mach‘ doch mal Pause. Sonst verknoten sich deine Gehirnwindungen noch. Und bei der Prüfung kommt dann nix mehr durch.«

»Meine eine Gehirnwindung meinst du? Die ist schon verknotet. Das war sie schon vor der Lernerei. Durch diesen komplett unverständlichen Text von Judith Butler. Lies niemals Judith Butler. Weißt du, die hat einfach keine – «

»Lenk nicht ab, du brauchst eine Pause. Punkt. Ich gehe auch einkaufen. Und besorge alles für Pizza und Tiramisu.«

»Das ist Bestechung!«

»Jaaa. Das ist Bestechung. Und, wirkt’s?«

»Nö. Überhaupt nicht.«

»Pizza mit Rucola und Kirschtomaten und Parmesan und – «

»Ist ja gut. Du hattest mich schon bei Rucola. Ich bin dabei. Pizza und Tiramisu. Aber nur ausnahmsweise.«

»Geht doch.«

»Und nur, wenn du mir verrätst, wie ich bis Donnerstag sämtliche Inhalte der Vorlesungen, Seminare, Workshops und Lektüre-Übungen können soll – ich schaff das doch nie! Schon gar nicht mit ausgedehnten Pizza-Pausen! Ich muss noch die Öl-Krise verstehen, die Eigenschaften realer Märkte auswendig lernen, ein Probe-Essay schreiben, die Texte von Appadurai und Hall zusammenfassen und überhaupt … zu viel zu tun – zu wenig Zeit!!!«

»Tief durchatmen. Ein. Und wieder aus. Genauso. Alles wird – «

»Scheiße. Richtig, richtig scheiße! Von dieser Prüfung hängt mein Bachelor-Abschluss ab. Und von meinem Bachelor-Abschluss hängt mein zukünftiger Job ab. Und von meinem zukünftigen Job hängt alles ab. Oh Gott, ich werde als Hartz IV-Empfänger enden. Pleite, einsam und hungrig. In einer Wohnung ohne Strom und Fenster.«

 

Deeskalationsstrategie

»Mach‘ dich mal locker.«

Punkt 1 Prüfungen können wiederholt werden. Mehrmals. Also keine Panik, wenn’s nicht beim ersten Mal klappt. Geht einigen so. Schließlich soll in genau dieser einen Situation alles gelingen. Meistens tut es das, aber wenn nicht, ist das gar nicht schlimm.

Punkt 2 Das Ergebnis einer Prüfung, egal, wie gut oder schlecht es ist, beeinflusst den angestrebten Abschluss zwar, aber nur in geringem Maße. Und ein wahnsinnig guter Abschluss ist kein Garant für einen tollen Job oder ein Leben, so wie du es dir vielleicht vorstellst. Natürlich macht er etwas her im Lebenslauf. Aber soziale und kreative Fähigkeiten, kritisches Denken und Leidenschaft sind mindestens genauso wichtig. Cool down – von dieser Prüfung hängt nicht dein ganzes Leben ab! (Davon mal abgesehen: Hartz IV-Empfänger leben nicht in Wohnungen ohne Strom und Fenster.)

 

»Mach‘ dich noch lockerer.«

Punkt 3 Noten definieren Menschen nicht.

 

»Motivation geht nicht nur mit Pizza und Tiramisu (aber gut).«

Punkt 4 Was hast du in diesem einen Semester alles gelernt! Wahnsinn! Eine Prüfung ist die perfekte Möglichkeit, um Interessantes zu wiederholen und tiefergehend zu  verstehen (oder um überhaupt erst einmal zu verstehen, worum es im gewählten Modul ging – ich kann mich manchmal nicht mal mehr an den korrekten Namen erinnern, peinlich aber wahr).

Punkt 5 Nach jeder wiederholten Vorlesung gibt’s was Schönes (zu essen ;)). Und eine Folge Türkisch für Anfänger.

Punkt 6 Denk‘ an das, was du schon kannst, nicht anders herum! Sei stolz auf dich und darauf, wesentliche Zusammenhänge verstanden zu haben.

 

»Man muss nur wissen, wie.«

Punkt 7 Im Studium geht es darum, Komplexes zu verinnerlichen. Das heißt nicht, dass in Prüfungen jedes Detail und der genaue Wortlaut von den Skripten der Dozierenden gefordert wird. Ich fasse die Inhalte von Vorlesungen, Seminaren und gelesenen Texten vor jeder Prüfung zusammen und markiere das Wichtigste – das, was ich in jedem Fall wissen muss. Details sind wichtig für’s eigene Verständnis. In Prüfungen aber reicht die Zeit oft nicht aus, um alles, was man weiß, unterzubringen. Konzentriere dich also lieber auf das Wesentliche.

Punkt 8 Nimm dir Zeit für Pausen, wiederhole Gelerntes regelmäßig und verschaffe dir, am Anfang und am Ende deiner Lernphase, einen Überblick über das Thema – mir helfen Mindmaps da sehr.

Punkt 9 Wenn du das Gefühl hast, dass in deinen Kopf nix mehr reingeht, du aber trotzdem für die Prüfung lernen willst, triff dich mit einer Freundin / einem Freund im Park. Esst ein Eis, trinkt einen Kaffee und erklärt euch gegenseitig das, was ihr schon verstanden habt. Ohne Aufzeichnungen! So wiederholt ihr euren Lernstoff und merkt, an welchen Stellen ihr euer Wissen noch vertiefen müsst.

Punkt 10 Fange nicht erst in der Prüfungsphase an, zu lernen. Die Inhalte von Vorlesungen und Seminaren kannst du noch in der Woche der Veranstaltung nacharbeiten und zusammenfassen – das nimmt den Zeitdruck.

 

Ihr schafft das. Bis bald ♥ Katinka

3 Gedanken zu “Warum uns die Prüfungsphase fertig macht und was dagegen hilft | eine Deeskalationsstrategie

  1. * * My a brain winding do you mean? That’s already knotted * * * your words
    First great post but with reference to Hartz 4 or five It’s a gang next to it I find any if I can find an ex bank manager from Bavaria he has work office must look after his diploma and his magistrate and his high qualification,, etc, so I hope to bring you all the best out, success has no color but has taste. Just a day.

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