Wir waren alle … | Flashback

Puh, wenn ich mich bloß an das Geräusch der Schulklingel erinnere, wird mir leicht übel. Nicht, dass ich so sehr unter der Lernerei oder blöden Lehrern gelitten hätte (nur ein bisschen, unter Letzterem). Nein, eigentlich hat mir Schule sogar Spaß gemacht. In der Oberstufe. An Freitagen. Mit Ausblick auf ein sonniges Sommerwochenende. Im Ernst Leute, wünscht sich einer von euch, wieder in die Schule gehen zu können? Nun, sicher kommt es darauf an, was ihr gerade so macht. Ob ihr arbeitet, studiert, oder eure neu gewonnene Freiheit im Ausland lebt.

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Ich kann sagen, froh zu sein, studieren zu dürfen. Lernen macht jetzt richtig Spaß. Was ist der entscheidende Unterschied? Ich lerne nur das, was ich möchte. Meistens, und das stimmt tatsächlich, finde ich mein Studium unglaublich spannend. Was habe ich nur für ein Glück. In der Schule war das anders. Ich habe mich oft so sehr gelangweilt, obwohl ich auch Wichtiges hätte erfahren können (nicht nur, aber jetzt zum Beispiel bereue ich es, nicht besser in Geschichte aufgepasst zu haben). Schule ist Pflicht und das Schulsystem ist kacke. Aber das ist es nicht, was mich am meisten beschäftigt, wenn ich zurückdenke.

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Ich denke mehr darüber nach, wie es war, ständig verunsichert zu sein. Verunsichert zu werden. Von Lehrern zum Beispiel. Die dürfen Noten geben und damit Fähigkeiten beurteilen. Immer eine zwei Minus in Deutsch, fünfen in Sport. Noten können Träume zerplatzen lassen wie Seifenblasen.

Verunsichern können auch die eigenen Mitschüler. Vor allem die. Ich bin immer noch perplex, wenn mir Freunde heute Komplimente für meinen Musikgeschmack, meine Art mich zu schminken oder meinen Kleidungsstil machen. In der Schulzeit wurde man eher belächelt, manchmal auch ausgelacht. Heute will ich bei meinen Vorlieben nur an mich denken und nicht an alle, die ich beeindrucken muss.

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Manche sind in diesem Konkurrenzkampf untergegangen, ich habe versucht, mich zu behaupten. Nicht die cleverste Idee. Eigenes Ding durchziehen, abseits der Meinungen aller anderen, nicht von denen beeinflussen lassen – so sollte das laufen.

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Wer verunsichert wird, der zweifelt. An sich selbst am aller meisten. Dabei macht Selbstvertrauen es viel einfacher, das Leben zu genießen. Dann ist es völlig normal, nicht nur Musik aus dem Radio zu hören. Sondern Avril Lavigne aufzudrehen, in lachende statt abschätzige Augen zu blicken und zusammen laut und falsch mitzusingen. Dann ist es okay, knallblauen Lidschatten zu tragen. Verschwitzt aus dem Fitnessstudio zu kommen, ungeschminkt, knallrot im Gesicht und mit einer Vogelnest-Frisur. Einen Sonnenhut zu tragen, auch, wenn man damit aussieht wie Kurt Schröder.

Jetzt ist es viel schöner, nicht perfekt zu sein. Und entspannter, weil ich nicht vorgebe, es zu sein. Vielleicht ging es ja darum. Einen großen Teil der eigenen Zeit mit den immer gleichen Menschen zu verbringen führt wohl unweigerlich dazu, sich mit diesen zu vergleichen. In der Schule blieben diese Vergleiche leider oberflächlich. Hätten wir genauer hingesehen, wäre uns klar geworden, dass uns etwas eint.
Wir waren alle verunsichert.

 


P.S.: Wir waren verunsichert. Heute sind wir es zwar immer noch, aber nur manmchal. Gehört eben dazu, zum Leben. Einige sind zum Beispiel verunsichert, wenn man Fotos von ihnen macht. Lotta zum Glück nicht. Hier geht’s zu ihrem Blog.

2 Gedanken zu “Wir waren alle … | Flashback

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