Brief an die Leiden•schaft

Geliebte Leidenschaft,

ich wollte dir schon länger einen Brief schreiben, und dich ein paar Sachen fragen. Wieso tauchst du manchmal ab, und unvermittelt wieder auf, ohne mir Bescheid zu sagen? Das ist anstrengend. Warum machst du mir einiges leichter, anderes schwerer? Und weshalb beruhigt mich deine Anwesenheit, wenn sie mich doch gleichzeitig elektrisiert? Ich stehe unter Strom, bin völlig aufgekratzt, kann nicht klar denken aber klarer als sonst, und bin froh, dass du da bist. Wann kommst du wieder? Ich brauche dich, jetzt, immer. Damit das Leben funktioniert. Denn ohne dich macht vieles keinen Sinn. Warum kann ich (mich) begeistern; lese, schreibe, erinnere ich mich; empfinde ich sehr intensiv? Wegen dir, natürlich. Darum schätze ich dich sehr. Andere tun das nicht, glaube ich. Die leben einfach so dahin. Denen fehlt ein Funkeln in den Augen, Tatendrang, sie lassen nicht viel raus und nehmen mir meine Energie. Aber vielleicht irre ich mich auch, und du gibst jedem Menschen etwas von dir ab. Manche zeigen es nur nicht, sondern sparen dich auf. Für lustlose Zeiten.
Geliebte Leidenschaft, ohne dich wäre das Leben ganz schön langweilig.

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Mach’s gut, bleib hier, bis dann.

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