Von Tiefkühlpizzen, Vernunft und Kindheitserinnerungen | außerdem: eine Anleitung (Überraschung!) + Outfit

Es ist kurz nach drei (Uhr nachmittags), ich befinde mich auf dem Weg nach Hause, die (bereits offene) Tafel Schokolade in der linken Hand, eine Tiefkühlpizza unter den rechten Arm geklemmt. Wer um alles in der Welt hat diese Dinger erfunden? Sie sind das Gegenteil von gesunder und ausgewogener Ernährung und so. Und deswegen auch genau das, was ich jetzt brauche. Irgendwo zwischen „die Welt ist gemein“ und „ich fühle mich schlecht“ habe ich beschlossen, etwas Unvernünftiges zu tun. Ich hätte mir auch die Haare färben können. Aber mir war einfach mehr nach Pizza.

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Das ließe sich vielleicht noch rechtfertigen. Allerdings habe ich für diese Pizza nicht nur mein Seminar, sondern auch die darauffolgende Vorlesung geschwänzt. Ups. Im Nachhinein keine kluge Entscheidung – jetzt hat sich das das schlechte Gewissen bei mir eingenistet und nervt mich kolossal mit seinem Gequatsche. Ständig sagt es sowas wie: „Du bist faul und zu nichts zu gebrauchen!“ oder „Schäme dich, du verdienst diesen Studienplatz gar nicht!“ oder „Drei Kilo mehr oder weniger machen bei dir auch keinen Unterschied!“ (echt jetzt, sowas Gemeines). Es hört erst auf, mich zu tyrannisieren, als ich ihm verspreche, ab jetzt zu jeder Uni-Veranstaltung zu gehen und immer brav alle Texte zu lesen (fragt mich (bloß nicht) in zwei Wochen nochmal).

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Manchmal macht es mir überhaupt keinen Spaß, erwachsen zu sein. Vernünftig. Kontrolliert, diszipliniert, unabhängig. Realistisch. Kritisch. Manchmal möchte ich einfach nur in den Tag hinein leben und das tun, worauf ich Lust habe. Lachen, träumen, Briefe schreiben, mich ins Bett kuscheln und Kassette hören (jaaa, wir haben damals noch Kassetten gehört – vor Kurzem hat mich ein Mädchen gefragt, in welchem Jahr ich geboren bin, und als ich mit „1997“ antwortete, guckte sie mich ungläubig an – es war der erste Moment, nein, der zweite, in dem ich mich wirklich alt fühlte. Der erste Moment wiederholt sich jeden Montag, wenn ich neun Uhr früh Vorlesung in einem Hörsaal des zweiten Stocks habe – diese Treppen bringen mich noch um). Wo war ich? Ach ja, Kassetten. Und Cola-Eis! Ostereier suchen, sich mit Apfelschnitzen füttern lassen, Schneemänner bauen und mit der besten Freundin von nebenan Schlitten fahren, bis es dunkel wird. Habe ich schon ewig nicht mehr gemacht. Warum eigentlich nicht?

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Heißt erwachsen zu sein, dass man kein Kind mehr ist? Es stimmt schon, ich denke anders über die Welt nach als früher, und bloß in den vergangenen zwei Jahren bin ich, naja, ernster geworden. Glaube ich. Irgendwie … realistischer. So sehr ich auch an den magischen Jahren festhalten möchte, in denen ich nicht über die Zukunft, meine Zukunft nachgedacht habe oder über meine Identität oder darüber, wie sich die Beziehungen zu den Menschen, die ich liebe, verändern – ich habe das Gefühl, sie entgleiten mir (die magischen Jahre, nicht die Beziehungen). Aber weg sind sie deshalb nicht. Ein (ziemlich großer) Teil von mir wird immer Kind bleiben. Naiv und unvoreingenommen, oder trotzig und schlecht gelaunt, weil keine Schokolade im Haus ist, oder fröhlich und unbeschwert, einfach nur so, ohne „Grund“ (den braucht man ja eigentlich auch nicht). Das bleibt alles bei mir. Zum Glück.

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Und deswegen ist es auch okay, mal unvernünftig zu sein (nimm das, schlechtes Gewissen) und sich keine Gedanken über mögliche Folgen zu machen. Blöd ist nur, dass ich jetzt für mich selbst verantwortlich bin – und damit auch für alle Konsequenzen meines Handelns. Von Erwachsenen wird erwartet, sich dementsprechend zu benehmen. Wer da ein Schlupfloch sucht, sollte sich von der folgenden Anleitung inspirieren lassen.

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Kind sein – unbeschwert, unvernünftig und absolut gar nicht daran interessiert, was die anderen denken (könnten). Eine Anleitung.

1 Beim Joggen jede Pfütze mitnehmen und so reinspringen, dass Wasser und Schlamm bis zu den Knien spritzen. Im Winter das Eis der gefrorenen Pfützen zerspringen lassen. Wirkt besser als jede Anti-Aggressions-Therapie. Und macht unglaublich viel Spaß.

2 Kuscheln. Mit dem alten Teddy, Mama & Papa, dem (besten) Freund, der (besten) Freundin, oder oder oder.

3 Kakao / Pfefferminztee mit viel Zucker & Zitrone / heiße Milch mit Honig trinken, sich selbst mit Apfelschnitzen füttern und einen Film gucken (Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ist aber erst ab dem ersten Dezember erlaubt – noch hat die Weihnachtszeit nicht begonnen – die spinnen, die Weihnachtsgebäckverkaufs- und Weihnachtsmarkteröffnungszeitenerfinder).

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4 Poporutscher fahren. Den Poporutscher auf halber Strecke verlieren und den Rest der Piste auf der gefütterten Schneehose zurücklegen.

5 Schokolade, Pizza, Eis. Genau in der Reihenfolge und ohne schlechtes Gewissen.

6 Nur ein bisschen krank sein und deswegen nicht in die Uni gehen können. Endlich mal wieder lesen und Kassette hören.

7 Cola-Eis kaufen, spazieren gehen, sich danach noch ein Cola-Eis kaufen. Für Hartgesottene auch bei Minustemperaturen möglich.

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8 Sich von Mama bekochen lassen (Kartoffelbrei, gefüllte Paprika und / oder Bratäpfel ♥).

9 Positive Energie rauslassen! Singen, tanzen, albern sein. Am besten zusammen mit Freunden aus dem Kindergarten.

10 Blätter- oder Schneeballschlacht veranstalten. Wer die meisten Treffer erzielt, darf beim Fahren vorne sitzen (ist auch heute noch ein Privileg – in Autos mit Sitzheizung).

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Was habt ihr als Kind geliebt & und beim Erwachsenwerden vermisst?
Arbeitet nicht so viel (außer es macht gerade ganz viel Spaß) und lacht dafür mehr. Bis bald, Grüße ♥ Katinka

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P.S.: Ich liebe dieses Bild. Und alle anderen in diesem Beitrag auch!! Ihr wollt mehr davon? Kein Problem, hier (KLICK) könnt ihr die talentierte (!) Fotografin besuchen.

2 Gedanken zu “Von Tiefkühlpizzen, Vernunft und Kindheitserinnerungen | außerdem: eine Anleitung (Überraschung!) + Outfit

  1. „Irgendwo zwischen „die Welt ist gemein“ und „ich fühle mich schlecht“ habe ich beschlossen, etwas Unvernünftiges zu tun. Ich hätte mir auch die Haare färben können.“
    Warum ist „Haare färben“ unvernünftig?

    „Manchmal macht es mir überhaupt keinen Spaß, erwachsen zu sein. Vernünftig. Kontrolliert, diszipliniert, unabhängig. Realistisch. Kritisch.“
    Ist DAS erwachsen?

    „es war der erste Moment, nein, der zweite, in dem ich mich wirklich alt fühlte.“
    ALT? Hannah – WAS ist alt???

    „Blöd ist nur, dass ich jetzt für mich selbst verantwortlich bin – und damit auch für alle Konsequenzen meines Handelns.“
    Sei FROH !!!

    DANKE für Deine Anleitung! Ich unterschreibe sie sofort!
    Matze („erwachsen“ und über Fünfzig)

    Gefällt 1 Person

    • Ich hätte dazuschreiben sollen: … Haare knallrot färben … ist ein bisschen unvernünftig, weil ich mich danach geärgert hätte. Was unvernünftig ist, oder nicht, entscheidet wohl jeder für sich selbst. 😉

      Manchmal, so habe ich das Gefühl, schon. Sagen wir das anders: Es wird von uns erwartet … zu sein. Oder es ist vielleicht nur das, was ich von mir selbst erwarte. Was ich denke, das andere von mir erwarten. Hilfe.

      😀 ALT – ebenso individuell erlebbar, wie das mit der Unvernunft. Und manchmal reine Gefühlssache.

      Manchmal, manchmal bin ich das auch. 😉

      Gerne! Danke für deinen Kommentar, wie immer! (Das nächste Mal gibt’s wieder Pizza, aber selbstgemacht.)

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