Wie feiert man eigentlich Weihnachten in … England? | Adventskalender Türchen 10

Morven Jeder, der mich kennt, weiß (und ist genervt davon), dass ich eigentlich für fast alle Situationen des Alltags immer eine passende Geschichte aus England parat habe. 😊 Ich habe dort ein Jahr lang bei einer Gastfamilie gelebt und einiges über Land und Leute erfahren. Viele Dinge vermisse ich schrecklich, wie zum Beispiel die englische Höflichkeit und den englischen Sinn für Humor, aber auch die unglaublich leckeren Sunday Roasts meiner Gastmutter – insbesondere the culmination of all roasts: Christmas Dinner. Ein Sunday Roast wäre in Deutschland der „Sonntagsbraten“, den es, glaube ich, in vielen Familien nur noch manchmal bei Oma gibt. In England wird er aber sehr oft zum Abendessen am Sonntag gegessen. Ein typischer roast besteht aus einer Sorte Fleisch, also Huhn oder Schwein zum Beispiel; gebratenen Kartoffeln, Möhren und Pastinaken oder anderem Gemüse; Yorkshire Puddings (fluffige brötchenartige Backwaren, die außen wunderbar knusprig sind) und Gravy Sauce. Yum. Beim Christmas Dinner meiner Gastfamilie gab es, natürlich, Truthahn und Cranberry Sauce. Und ich kann euch sagen, es war mit das Beste, was ich je gegessen habe. Von wegen, die Engländer können nicht kochen. 😉

Turkey
The turkey in all its glory

Aber von vorn. Weihnachten wird in England generell etwas anders gefeiert als in Deutschland. Wie ihr bestimmt wisst, gibt es die Geschenke erst früh morgens am 25. Dezember. Aber auch die Vorweihnachtszeit ist anders als in Deutschland. Wir Deutschen sind, wie ich finde, wahre Meister, was die Adventszeit und aufkommende Weihnachtsgefühle betrifft. Wir backen Plätzchen, die wir dann an den Adventssonntagen (und eigentlich auch an jedem anderen Tag) vernaschen, zünden Kerzen am Adventskranz an, schenken uns etwas zum Nikolaus, schmücken unsere Häuser, besuchen Weihnachtsmärkte, hören Weihnachtsmusik… Die Engländer haben (leider) nicht so viele vorweihnachtliche Traditionen. Aber das Schmücken, das haben sie echt drauf. Die Weihnachtsbäume werden bereits Anfang Dezember aufgestellt und geschmückt, sodass nach und nach bis Weihnachten die Geschenke daruntergelegt werden können. Und die Christmas Lights, die man in kleineren und größeren Städten bewundern kann sind einfach nur wunderschön. Schaut euch mal die in London an (hier klicken)!

Christmas Lights

Christmas Pudding, ein Kuchen mit Trockenfrüchten und Nüssen, wird in England einige Wochen vor Weihnachten gebacken, am 25. Dezember nach dem Christmas Dinner mit Brandy übergossen und dann angezündet (also flambiert), sodass er noch intensiver schmeckt. Sehr lecker. Auch richtig gut schmecken die sogenannten Mince Pies – Gebäckstücke, die mit einer Fruchtmischung gefüllt sind. Delicious.  

Die berühmten englischen Christmas Cards haben sich vor Weihnachten auch bei meiner Gastfamilie über dem Kamin gestapelt. Traditionell schenkt man jedem, aber auch wirklich JEDEM den man kennt vor Weihnachten eine Karte. Selbst dann, wenn in dieser nur ein überaus aussagekräftiges (ähem) Merry Christmas and a Happy New Year steht! Es ist aber trotzdem schön, sich die vielen bunten Karten über dem flackernden Feuer im Kamin anzuschauen.

Weihnachtskarten

An Heiligabend schließlich passiert in englischen Familien … noch nicht sehr viel. Kurz vor dem Schlafengehen werden (in Haushalten mit Kindern) dem Father Christmas ein Mince Pie, und (in meiner Familie) ein Glas Wein sowie dem Rentier Rudolf eine Möhre und eine Schale Milch vor den Kamin gestellt, damit sie sich, bevor sie weiterreisen, ein bisschen stärken können.

Gaben vor dem Kamin

Nach mehreren empörten Ausrufen der Kinder (But I want to see Father Christmas!!) gehen dann schließlich alle ins Bett, bevor die Geschenke, die der Weihnachtsmann bringt, am nächsten Tag in aller Frühe ausgepackt werden. Ich wurde, glaube ich, um halb sechs Uhr früh geweckt (Come on, come on, Father Christmas has been!!!). Nur die Kinder bekommen Geschenke vom Weihnachtsmann, die er in einem großen Sack dagelassen hat. Der Rest der Geschenke liegt unter dem Weihnachtsbaum. Sie werden erst später, nach dem Christmas Dinner, wenn dann auch Großeltern und andere Familienmitglieder da sind, ausgepackt.

Das Christmas Dinner ist die einzige richtige Mahlzeit des Tages, die es so ungefähr um zwei Uhr nachmittags gab: „You better eat a lot, it’s the only thing you’ll get today“, wurde ich vorgewarnt. Wie ihr euch vielleicht denken könnt, fiel mir das alles andere als schwer…

3pm on the dot: The Queen’s Christmas Message. Die meine Gastfamilie extra wegen mir geschaut hat. 😉

Nach Turkey, Christmas Cake and The Queen war es dann Zeit für die Geschenke. Das Auspacken dauert viiiel länger als in Deutschland (also zumindest ist es in meiner Familie immer schneller vorbei…), da immer nur eine Person ein Geschenk aufmacht, das die anderen währenddessen bestaunen können. Eigentlich keine schlechte Idee – so kann man die Weihnachtsfreude länger hinauszögern… 😊 Der Tag endet gemütlich mit Spielen aus den Christmas Crackers (riesige bonbonförmige Geschenke mit Schnickschnack drin) und Christmas Specials von Fernsehserien. Als ich da war, kam eines von Downton Abbey. And it gave us all the Christmas-feels. It was the perfect ending of (a perfect) Christmas Day.

Have a very Merry Christmas everyone!

 

 

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