Tabuthema: Auslandsaufenthalt abbrechen #2

Hallo ihr da draußen,

ich hoffe, euch geht’s genauso gut wie mir. Mir ist aufgefallen, dass der Beitrag Tabuthema: Auslandsaufenthalt abbrechen auf dem Blog am häufigsten, meist mehrmals täglich, aufgerufen wird. Es scheint viele Reisende zu geben, die überlegen, ihren Aufenthalt im Ausland abzubrechen. Und nicht weiter wissen, in dieser ätzenden Entscheidungsphase feststecken oder einfach nach Erfahrungsberichten suchen. Viel zu selten wird über dieses Thema gesprochen, ein Grund mehr, es an dieser Stelle erneut aufzugreifen.

Was mache ich, wenn ich merke, dass ein Auslandsaufenthalt doch nichts für mich ist? Wie entscheide ich mich „richtig“ – für oder gegen einen Abbruch? Wie gehe ich mit blöden Kommentaren um, im Ausland oder zu Hause? Wann sollte ich abbrechen, wann nicht? Die Entscheidung kann euch zwar keiner abnehmen, aber ein paar Tipps könnten doch helfen, was meint ihr?

Schon einmal vorweg: Egal, ob ihr euch entscheidet, im Ausland zu bleiben oder den Aufenthalt abzubrechen, denkt nicht nur mit dem Kopf nach, sondern auch mit dem Bauch. Ihr wisst schon, was ich meine. Bei mir hat der Kopf immer gesagt: „Du schaffst das schon“ oder „Was werden die anderen bloß sagen“ oder auch „Meine Güte, noch nicht einmal zwei Monate“.
Erstens – Es ist nicht peinlich, auch nicht nach nur einer Woche, wieder nach Hause zurückzukehren. Zweitens – Jeder, der blöde Kommentare à la „Hast ja nicht lange durchgehalten – ganz schön peinlich“ abgibt, hat wohl kein Einfühlungsvermögen. Nicht hinhören.
Durch euer Bauchgefühl merkt ihr, wenn etwas nicht stimmt. Also ernstnehmen. Grundsätzlich gibt es hier keine „richtigen“ oder „falschen“ Entscheidungen. Nehmt den Druck aus der Situation. Denkt nicht darüber nach, wie andere reagieren könnten. Ihr müsst niemandem etwas beweisen (auch euch selbst nicht). Die Hauptsache ist, dass es euch gut geht, wo ist egal. Okay? Okay.

Es gibt viele verschiedene Gründe, einen Auslandsaufenthalt abzubrechen. Nummer 1 ist wahrscheinlich: Heimweh. In der ersten oder zweiten Woche trifft es vermutlich jeden. Auch diejenigen, die schon von Zuhause ausgezogen sind. Oder für die Heimweh sonst kein Thema ist. Heimweh ist kein Zeichen von Schwäche und wenn ihr nach dem ersten Monat immer noch damit zu kämpfen habt, ist das gar nicht schlimm. Ganz vielen anderen geht es genauso. Mir ging es genauso. Und dann? Reden hilft. Ob mit der Gastfamilie oder euren Ansprechpartnern bei der Organisation, für die ihr arbeitet oder netten Leuten, die ihr auf Reisen kennengelernt habt: Überall gibt es Menschen, die euch unterstützen, trösten und aufmuntern können, mit denen ihr einfach nur quatschen oder etwas unternehmen könnt. Traut euch und sprecht sie an! Ich finde, ihr solltet euch nicht zwingen, den Kontakt zu Eltern und Freunden in der Heimat komplett abzubrechen. Wenn ihr sie so sehr vermisst, dass ihr es nicht mehr aushaltet, könnt ihr euch natürlich wieder auf den Weg nach Hause machen. Ansonsten versucht, euch ablenken zu lassen! Überall warten kleine und große Abenteuer auf euch!

Was macht ihr nun, wenn ihr merkt, dass der Auslandsaufenthalt eigentlich doch nichts für euch ist? Oder wenn ihr euch die Zeit in der Fremde ganz anders vorgestellt habt? Manche „halten durch“ und brechen nicht ab und haben am Ende doch noch eine schöne Zeit, andere entschließen sich nach einer Weile dafür, nach Hause zurückzukehren. Egal wie ihr euch entscheidet, das Wichtigste ist, dass es euch mit der Entscheidung gut geht. Nur, wie findet man heraus, wofür man sich entscheiden sollte? Ich habe mindestens dreizehn Pro-Kontra-Listen geschrieben, bevor ich mir sicher war. Diese Phase, in der man grübelt und grübelt und scheinbar zu keinem Ergebnis kommt, finde ich furchtbar. Wann sollte man abbrechen, wann nicht? Das ist eben nicht pauschal zu beantworten, das hängt davon ab, wie ihr euch fühlt.

Vielleicht helfen euch ja diese Fragen weiter, wenn ihr euch in einer solch kniffligen Situation befindet:

  • Habe ich schon mit anderen über meine Zweifel/Ängste geredet und nach Unterstützung gesucht?
  • Welche Phasen überwiegen: die, in denen es mir gut, oder die, in denen es mir schlecht geht?
  • Was hält mich davon ab, wieder nach Hause zurückzukehren?
  • Was würde ich gern noch unternehmen, bevor ich nach Hause zurückkehre?
  • Kann ich die Zeit im Ausland trotz Heimweh/… genießen?
  • Wie könnte ich mir die Zeit hier richtig schön machen?

Manchmal hilft es auch schon, sich bewusst zu machen, dass man jederzeit einen Flieger/Zug nach Hause nehmen könnte. Genauso gut ist es möglich, noch vier Wochen zu warten, bis man den Rückweg antritt, um die verliebene Zeit für tolle Unternehmungen zu nutzen. Wem es zwar nicht so gut geht, aber gut genug, um dazubleiben, der kann sich einen Plan machen (vielleicht sogar zusammen mit Freunden) und sich überlegen was nötig ist, um sich besser zu fühlen. Ablenkung? Mehr Zeit für sich selbst? Regelmäßige Gespräche mit der Familie? Ein anderes Umfeld? Eine andere Arbeit?

Hört in euch rein und schreibt mir, wenn ihr Fragen habt oder euch etwas Bestimmtes beschäftigt (meine Email-Adresse findet ihr auf der Kontaktseite des Blogs). ♥ Katinka