Von Verlusten und einer kulinarischen Entdeckung (oder: Wie und warum wir Unverpacktes einkaufen)

Der Blick in die Mehltüte, ein Schrei. Etwas Kleines, das uns aber ganz groß vorkommt, flattert heraus und fliegt panisch über unseren Köpfen hin und her, bis ich es mit dem Staubsauger erwische. Ich fühle mich ein bisschen wie bei „Ghost Busters“. Nur, dass ich nicht versuche, Geister einzufangen, sondern Motten. Lebensmittelmotten. Was mindestens genauso schlimm ist. Unsere kleinen geflügelten Freunde hier haben ohne unser Einverständnis die Küche besetzt; wegen ihnen mussten wir mehr als die Hälfte aller Lebensmittel entsorgen. Und da hört der Spaß auf, es geht hier schließlich um Essen. Mein Essen. Die große Ausmist-Aktion begann um 21 Uhr im Schlafanzug und endete … noch immer nicht. Vielmehr entschieden wir uns an jenem Abend, einen Seelsorger-Trip zum nächstgelegenen Supermarkt einzuschieben, um noch nicht kontaminierte Schokolade zu kaufen. Zur Beruhigung. Mittlerweile geht es uns ein bisschen besser, die anfängliche Panik ist überwunden, unsere Hilflosigkeit verschwunden. Die Motten allerdings sind noch da. Wie eine stumme Drohung sitzen sie an der Decke. Ich bin mir sicher, dass sie sich gerade in diesem Moment überlegen, wo sie als nächstes angreifen. Leider sind Lebensmittelmotten sehr fähige Eindringlinge. Sie kommen nicht nur in verschlossene Mehltüten hinein, sie überwinden auch (ich frage mich immernoch, wie) Plastikverpackungen. Selbst, wenn sie mit Tesafilm zugeklebt sind.

Glücklicherweise haben wir immer einen kleinen Vorrat an Gläsern mit Schraubverschluss in der WG – alles, was die Motten übrig gelassen haben, wurde umgefüllt oder im Kühlschrank in Sicherheit gebracht. Und so sehr wir darunter gelitten haben, viele Lebensmittel wegschmeißen zu müssen: Die Motten haben uns an etwas erinnert. Beinahe alles (Nudeln, Reis, Mehl, Gewürze, Zucker, Müsli, …) lässt sich in Gläsern aufbewahren. Wieso also die Verpackung nicht gleich beim Einkaufen weglassen? Ist sowieso viel umweltfreundlicher. Es gibt da doch so einen Laden in Leipzig … in einer kleinen Seitenstraße, direkt bei der Karli.

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Und schon saßen meine Mitbewohnerin und ich im Bus, auf dem Weg zu Einfach Unverpackt. Der Name ist übrigens Programm: Selbst die Toilettenpapier-Rollen stehen einzeln im Regal. Pflichtbewusst und voller Tatendrang hatten wir uns im Vorfeld informiert. Gute Vorbereitung ist alles. 😉 Wir haben saubere Gefäße mit Verschluss (große Smoothie-Gläser) zum Einkaufen mitgenommen. Und ein Netz für Obst und Gemüse. (Das gibt’s auch bei Einfach Unverpackt, in Bio-Qualität, je nach Saison, aus der Region und leeeecker!!) Wir erkundeten den Laden und waren  beeindruckt. Von der Organisation (es gibt Trichter zum Befüllen der mitgebrachten Gefäße), und den Preisen. Es ist alles ein bisschen teurer als im Supermarkt – nur ein bisschen, doch gerade so viel, dass ich es mir als Studentin nicht leisten könnte, ausschließlich dort einzukaufen. Für bestimmte Lebensmittel aber werde ich in Zukunft gerne einen Ausflug zu Einfach Unverpackt machen: Das Müsli schmeckt fantastisch (jede Sorte, am leckersten ist das mit den ganzen Haselnüssen). Und ich habe noch nie so gute Milch (Marke: Demeter) getrunken. Außerdem ist die Qualität von Obst und Gemüse fantastisch.

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Die Vermüllung der Erde ist das sichtbarste Problem, das durch Kunststoff verursacht wird. Weil er nicht abbaubar ist, entstehen überall auf der Welt Müllhalden aus Plastik. Das Meer ist wohl die größte. Außerdem treibt die Plastikproduktion den Klimawandel an. Kunststoffe bestehen vorwiegend aus Erdöl, Kohle und Erdgas – bei ihrer Herstellung wird viel Energie verbraucht und Kohlenstoffdioxid ausgestoßen.
Planet aus Plastik

Den eigenen Plastik-Konsum kann man auch reduzieren, ohne in einem Unverpackt-Laden einzukaufen (auch wenn das am effektivsten wäre). Wie?

  • Ganz einfach: Im Supermarkt auf die Verpackungen achten. Nudeln und Reis gibt es auch in Pappschachteln.
  • Für Obst und Gemüse, das nicht in Plastik verpackt ist, aber ohne Tüte nur schwer transportiert werden kann (zum Beispiel Tomaten, Champignons, …) einen kleinen Baumwollbeutel mitnehmen. Den kann man easy waschen und wiederverwenden. (Die Schildchen, auf denen nach dem Wiegen das Gewicht der Lebensmittel angegeben ist, können auch direkt auf das Gemüse oder die Früchte geklebt werden, dafür braucht man keine Plastiktüte).
  • Auf Wochenmärkten gibt es oft eine große Auswahl an unverpackten Lebensmitteln aus der Region. Die kaufe ich lieber als eine eine eingeschweißte Bio-Gurke aus Spanien.
  • Wer nicht nur Leitungswasser trinken möchte, kann sein Mineralwasser in Glasflaschen kaufen. (Bauch- und Armmuskeltraining gratis.)
  • Überhaupt: Immer einen Baumwollbeutel dabeihaben. Damit der spontane Einkauf nicht in einer Plastiktüte nach Hause transportiert werden muss.
  • Und abseits der Lebensmittelverpackungen: Klamotten aus Baumwolle, Leinen und anderen natürlichen Fasern (oder secondhand) kaufen. Polyester ist nämlich nichts anderes als … genau, Plastik. (Mehr dazu hier: Polyester, Baumwolle, Viscose & Co. – Was ist das eigentlich, was wir anziehen?)

Die Motten haben also umweltbewusstere Menschen aus uns gemacht. Ihnen danken möchte ich deswegen trotzdem nicht, schließlich sind sie Schuld an der übervollen Mülltonne im Hof (und meiner neuen Angst vor Mehltüten). Drückt uns die Daumen, dass sie sich so schnell wie möglich ein neues Zuhause suchen. Und andere vom unverpackten Einkaufen überzeugen. 😉

Grüße ♥ Katinka

P.S.: Irgendwelche Ideen, wie man beim Einkaufen effektiv noch mehr Verpackungen vermeiden kann?