Sechs gute Gründe für einen Ausflug nach Andalusien

Wir mussten nicht weit laufen zum Strand, kaum fünfzehn Minuten und das Meer lag vor uns wie ein Spiegel, der von einigen Wellen durchbrochen das dunkle Blau des Himmels reflektierte. Die Ebbe hatte das Wasser ein Stück zurückgedrängt und die wenigen Menschen, die außer uns am Abend spazieren gingen, bewegten sich fast außer Sichtweite. Nicht weit weg stand auf einem kleinen Hügel ein Leuchtturm. Der Wind bließ mir die Haare aus dem Gesicht, feine Sandkörner brannten mir in den Augen. Ich hielt sie trotzdem offen, denn ich hatte bisher kaum etwas Schöneres gesehen.

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Im vergangenen Jahr habe ich mit meiner Familie einen Teil Andalusiens erkundet. Andalusien liegt im Süden Spaniens, direkt an der Grenze zu Marokko. Bekannt ist die Region vor allem durch die Alhambra, eine im maurischen Stil gebaute Burg (und seit 1984 Weltkulturerbe), die innerhalb der Stadt Granada liegt.

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credit: pixabay (WikiImages)

Dort waren wir nicht. Die sechs guten Gründe für einen Ausflug nach Andalusien habe ich trotzdem schnell gefunden.

1 Sevilla. Eine faszinierende Stadt, die darauf wartet, entdeckt zu werden! Am besten erst einmal ohne Stadtführer. Denn wären wir nicht ein wenig planlos durch die Straßen spaziert, hätten wir sicher nicht die Universität entdeckt. Deren Gebäude mich eher an eine Filmkulisse erinnert hat, als an einen Ort, an dem Studenten Vorlesungen und Seminare besuchen (und sich mit viel Kaffee wachhalten – der in der Mensa verkauft wird, direkt gegenüber von diesem Springbrunnen im Innenhof).

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Genießen konnte ich Sevilla vor allem am Abend: Auf der Suche nach einem Restaurant sind wir auf den Alameda de Hércules gestoßen, einen Platz, dessen Rand gespickt ist mit den unterschiedlichsten Lokalen. (Natürlich haben wir Tapas probiert.) An die Atmosphäre dort denke ich gern zurück. Die meisten Menschen saßen wie wir draußen, um sich zu unterhalten und die kühleren Temperaturen zu genießen, jetzt, da die Sonne nicht mehr schien.

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Blick auf eine der größeren Straßen in der Altstadt Sevillas, auf der rechten Seite ist ein Stück der Kathedrale erkennbar. Sie gehört zu den größten Kirchen der Welt.

2 Tapas & Taboulé. In einem kleinen Dorf an der Costa de la Luz (↑ Baden im Atlantik) haben wir jeden Abend Hummus, Tajine oder Taboulé gegessen. Das mag vielleicht überraschen, schließlich ist Spanien vor allem bekannt für seine Tapas. Es kann aber durchaus sein, dass man durch die Nähe Andalusiens zu Nordafrika in den Genuss kommt, marrokanische Spezialitäten zu kosten. Entgehen lassen sollte man sich das auf gar keinen Fall! Genauso wenig, wie das Durchprobieren der typisch spanischen Vorspeisen, Tapas genannt. In ↑ Cadiz habe ich am besten gegessen: kalte Gemüsesuppe, Hühnchen in Soße, Kartoffeln und Gemüse – die Karte war auf Spanisch und ich kann mich leider nicht mehr an die Namen erinnern, aber geschmeckt hat es, das weiß ich noch, seeehr lecker.

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Tapas essen in Sevilla

3 Pueblos Blancos. Durch die Berge im Hinterland führt die sogenannte Ruta de los Pueblos Blancos, eine Landstraße, über die man mit dem Auto zahlreiche andalusische Dörfer erreicht. Es lohnt sich, zwischendurch mal anzuhalten. In Casares zum Beispiel, um durch die engen Gassen hinunter zum Marktplatz zu schlendern und sich bei einem Kaffee im Schatten der aufgestellten Schirme auszuruhen. Oder um auf die dicht stehenden, weiß gekalkten Häuser (typisch für diese Dörfer, deswegen auch Pueblos Blancos) hinabzuschauen, während die Sonne untergeht.

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4 Cadiz. Um ehrlich zu sein: Sevilla hat mir gut gefallen, aber Cadiz war mir (ein bisschen) sympathischer. Die Hafenstadt liegt an der Atlantikküste und besticht durch ihre vielen kleinen Straßen und Plätze in den alten Vierteln. Hier machen vor allem Einheimische Urlaub.

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Auf dem Spaziergang über die Av. Amilcar Barca (geht später in die Av. Fernández Ladreda über) habe ich mir zwar einen Sonnenbrand geholt (eincremen nicht vergessen!!), den Blick auf den Strand, das Meer und die Altstadt hätte ich trotzdem nicht verpassen wollen (ich meine es ernst: spart nicht an Sonnencreme … und setzt einen Hut auf). Wir waren nur wenige Stunden in Cadiz unterwegs – nehmt euch lieber mehr Zeit.

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5 Baden im Atlantik. Direkt an der Costa de la Luz werden Ferienhäuser vermietet – in kleinen Städten und Dörfern, die erfahrungsgemäß weniger Touristen anlocken, als die Hotels an der Mittelmeerküste. (Das verstehe wer will.) Tatsächlich befand sich unsere Unterkunft nur fünfzehn Minuten Fußweg entfernt von einem naturbelassenen Strand. Einem naturbelassenen, fast leerem Strand. Ha!

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6 Muscheln sammeln an der Mittelmeerküste. Die Costa del Sol war kein Ort, in den ich mich sofort verliebt habe. Aber als wir einen ruhig gelegenen Steinstrand entdeckt hatten, mit Wasser so klar, dass man auch bei zwei Metern Tiefe noch den Grund sehen konnte, beschloss ich, noch einmal wiederzukommen. Stunden könnte ich an diesem Strand verbringen, Muschelschalen sammeln, Zeitung lesen und so lange im Wasser bleiben, bis Hände und Füße schrumpelig sind.

Andalusien ist eine Region, die man am besten auf eigene Faust mit dem Auto erkundet. Ferienwohnungen gibt es überall – und ohne sich zu sehr auf einen Reiseführer zu verlassen, findet man wunderbare, abgelegene Strände. Manchmal muss man ein bisschen länger suchen. Aber auch das lohnt sich. In den Städten gibt es unglaublich viel anzuschauen. Sobald man sich einen Überblick verschafft hat, kann man die interessantesten Sehenswürdigkeiten gezielt ansteuern. Erfahrungsgemäß erlebt man aber mehr, wenn die Karte im Koffer bleibt. In Erinnerung geblieben sind vor allem die Dörfer an der Costa de la Luz und in den Bergen. (Mein heimliches Highlight war aber – ihr wisst ja, wie gern ich esse – unser Frühstück an der Costa del Sol: Avocado-Mango-Brot, mit Blick auf den Felsen von Gibraltar.)

So ein selbst organisierter Urlaub kann auch anstrengend sein; auf der anderen Seite ist Andalusien viel zu interessant, um nur von weitem aus einem Hotelfenster betrachtet zu werden. Wenn ich unseren Ausflug in die Region mit nur einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es Genuss.

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Habt ihr schon Reisepläne für die nächsten Jahre? Wohin soll es gehen? Grüße ♥ Katinka