Gefüllte Zucchini-Schiffchen | Rezept

Ich sehne mich nach dem Herbst. Ich sehne mich nach dicken Wollpullovern und einer dampfenden Tasse Kakao. Heute morgen bin ich frierend aufgewacht, es sind 17 Grad draußen. Jetzt sitze ich, eingemummelt in einen dicken Wollpullover, bei geöffnetem Fenster am Schreibtisch. Vor mir steht eine dampfende Tasse Kakao. Ganz schön kalt draußen, was? Manchmal frage ich mich, ob ich irgendwann Enkelkinder haben werde, die sich bei minus 15 Grad Celsius die Skischuhe anziehen und eine Runde durch den Thüringer Wald drehen. Können. Was das alles mit den gefüllten Zucchini zu tun hat? Naja, nichts. Aber wir sollten wieder öfter über das Wetter reden. Vorzugsweise auf der Straße, in einer großen Gruppe, laut und fordernd. (Nennt sich Demo.) Augen verschließen und Hände vors Gesicht, das bringt nix. Der Klimawandel kommt, auch, wenn wir ihn nicht sehen wollen. Was wir brauchen ist eine fähige Regierung (ohne rassistische, machtgeile alte Männer, bitte), die sich zusammensetzt und schnell und effektiv über jetzt einzuleitende Maßnahmen diskutiert. Über Hilfe für die Bauern, die durch die Trockenheit ihre Ernte verloren haben, zum Beispiel. Über noch viel mehr.

Millionen von Menschen leben in der tief liegenden Deltaregion an der Küste von Bangladesch und Indien, den Sundarbans. Schon jetzt haben Zehntausende Menschen ihr Zuhause verloren. Wer kann, zieht weg, etwa in die Millionenstadt Dhaka. […] Die heute auf der Erde vorhandenen Eismassen reichen aus, um den Meeresspiegel weltweit um 60 Meter anzuheben – schon der Verlust von wenigen Prozent dieses Eises wäre verheerend für tief liegende Landstriche.
Stefan Rahmstorf, PIK (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung)

Denn werden diese überflutet, müssen die Menschen, die dort leben, fliehen. Augen verschließen und Hände vors Gesicht, das bringt nix (ich habe das schon gesagt, aber ich wiederhole es gern). Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Wir müssen darüber nachdenken, was wir tun können, um das Klima der Erde zu schonen. Und handeln. Wir alle müssen das, und können das auch.

So, ich mache mir jetzt noch schnell eine Tasse Tee, und ihr überlegt solange, was ihr auf eure Transparente schreibt, wenn wir uns alle zur Demo („Klimawandel: Augen auf! Jetzt etwas tun!“) treffen, ja?

Ist euch etwas eingefallen? Schreibt’s in die Kommentare! Und hört bitte nicht auf, zu lesen, denn jetzt kommt das Rezept, versprochen! Zucchini-Schiffchen hat meine Mama früher schon gemacht, als ich ganz klein war. Ich kann mich nicht mehr an die äußeren Umstände erinnern, aber ich weiß noch, dass sie phänomenal lecker waren. Ein guter Grund, sie selbst mal auszuprobieren – ein bisschen abgewandelt. Und mit Fleisch, wobei eine vegetarische Variante genauso gut funktioniert. (In Leipzig fragen sie nicht mehr: „Bist du Vegetarier?“, sondern: „Du isst noch Fleisch?“, ein bisschen erschrocken und ungläubig). Der übermäßige Konsum von Fleisch ist ein Problem (und schon sind wir wieder beim Klimawandel) – hin und wieder koche ich aber gern mit Fleisch in Bio-Qualität. Das geht allerdings nur Zuhause-Zuhause. Erstens gebe ich mein Geld in Leipzig lieber für Kino aus, als für Hühnchen. Und zweitens stelle auch ich mittlerweile, ein bisschen erschrocken und ungläubig, die Fleisch-Frage. Aus Überzeugung (und wegen meiner Mitbewohnerin, die uns alle durch das Vorleben ihrer fleischlosen Ernährungsweise manipuliert hat … auf eine gute Art und Weise). Aber wie gesagt, hin und wieder gefüllte Zucchini oder Mamas Hackfleischbällchen oder Bratwurst (ich komme schließlich aus Thüringen), das ist okay. Und das schmeckt. Hier kommt die Anleitung.

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Ihr braucht:

* drei kleine Zucchini
* 300 Gramm Hackfleisch (in Bio-Qualität, vom Rind oder gemischt)
* zwei mittelgroße Möhren
* eine halbe Stange Lauch
* zwei Tomaten
* etwas Rotwein, am besten trocken
* ein paar Zweige Thymian
* Cumin, scharfes Paprikagewürz
* 150 Gramm Käse, gerieben (zum Beispiel Gouda)
* Kokosöl
* Salz & Pfeffer

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So geht’s:

1 Backofen auf 50 Grad Umluft vorheizen. Ein Blech mit Backpapier auslegen. Das Gemüse waschen. Möhren und Tomaten in kleine Würfel, Lauch in feine Ringe schneiden.

2 Die Zucchini jeweils längs in zwei Hälften zerteilen. Die „Schiffchen“ mit einem Löffel aushöhlen, auf das Blech legen und mit Olivenöl bestreichen, dann auf mittlerer Schiene in den Ofen schieben. Das Fruchtfleisch beiseitestellen.

3 Etwas Kokosöl in einem großen Topf erhitzen, das Hackfleisch zugeben und erst bei großer, dann bei mittlerer Hitze etwa fünf Minuten anbraten. Die Thymian-Zweige und die gewürfelten Möhren hinzufügen und weitere fünf Minuten braten. Mit Rotwein ablöschen und aufkochen, dann einköcheln lassen.

4 Das restliche Gemüse in den Topf geben und mit dem Hackfleisch mischen. Kurz dünsten, dann die Gewürze zugeben, umrühren, ein bisschen Wasser hinzufügen und köcheln lassen. Nach ungefähr fünfzehn Minuten vom Herd nehmen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

5 Die Zucchinihälften aus dem Backhofen holen und mit der Hackfleisch-Gemüse-Mischung füllen (dabei die Thymian-Zweige herausfischen). Den geriebenen Käse großzügig darauf verteilen. Sieben bis zehn Minuten backen, diesmal bei 180 Grad Umluft. Ein bisschen abkühlen lassen und mit Reis oder Couscous servieren.

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In einer vegetarischen Variante könnte man das Hackfleisch durch eine Couscous-Gemüse-Mischung ersetzen und alles mit Fetakäse überbacken. So oder so schmecken gefüllte Zucchini fantastisch. Ich wünsche euch viel Spaß beim Kochen! Grüße ♥ Katinka