Gestern war Sonntag | Etwas zum Backen, etwas zum Nachdenken, etwas zum Lesen

Das hier wird ein Sonntags-Beitrag (und es ist mir egal, dass heute Montag ist – ich finde der Sonntag könnte den anderen Tagen der Woche mal ein bisschen was von sich abgeben, das wäre doch nur gerecht … man stelle sich einen Montag vor, an dem man ausschlafen kann, einen Dienstag, an dem es frisch gebackene Pflaumentartelettes gibt, einen Mittwoch, an dem das Handy ausgeschaltet auf dem Nachttisch liegenbleibt … oh, wie schön sind sonnige September-Sonntage).

Gestern bin ich (unfreiwillig) aufgewacht, weil irgendwo in der Nähe die Glocken einer Kirche läuteten (nicht zehn Uhr morgens, um acht); die Sonne schien durchs offene Fenster und malte Schatten an die Wände. Es war kalt. Ich war müde. Aber zu gespannt, wie es wohl weitergehen würde, ich hatte mir nämlich ein paar Bücher aus der Stadtbibliothek ausgeliehen und eines gleich begonnen zu lesen. Der dritte Teil einer Reihe von Jojo Moyes, die (Moyes, nicht die Reihe) so schreibt, als wäre das Leben anstrengend und wunderschön und doch wert, gelebt zu werden, im Augenblick. Ich zwang mich also dazu, die Augen offenzuhalten, nahm das Buch und las. Und las. Zwei Stunden später sagte mir meine innere Uhr (es könnte auch mein Magen gewesen sein), dass ich doch jetzt bitte mal aufstehen, duschen und frühstücken solle.

Später kamen Freundinnen zu Besuch, wir kochten und quatschten und aßen später ein paar von diesen herrlichen Tartelettes, gefüllt mit Mandelbutter und Pflaumen (aus Omis Garten, dankeschön ♥).

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Aus 250 Gramm Mehl, 150 Gramm Butter, 70 Gramm Zucker, einem Eigelb und einer Prise Salz einen Mürbeteig herstellen; diesen eine halbe Stunde lang im Kühlschrank ruhen lassen. Pflaumen waschen, entkernen und halbieren. Eingefettete Tarte- oder Muffinförmchen mit dem Teig auskleiden, Boden mehrmals mit einer Gabel einstechen. 40 Gramm flüssige Butter, 40 Gramm Mandelmehl, 40 Gramm Zucker (weniger geht auch) und ein Ei verrühren, die Masse anschließend in den Förmchen verteilen. Pflaumen darauf legen (die Schale nach unten) und mit Zucker und Zimt bestreuen. Bei 180 Grad Umluft eine halbe Stunde im Ofen backen. Inspiriert von diesem Rezept.

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Dieser Sonntag gestern war nicht wie jeder andere Sonntag. Er war besser. Sind Sonntage nicht dazu da, zur Ruhe zu kommen? An anderen Tagen ist das doch eher schwierig. Wer von euch hat unter der Woche viel Zeit für sich selbst und nutzt sie bewusst, um sich auszuruhen, nachzudenken, still zu sein (was viel damit zu tun hat, denke ich)?

Das Buch von Moyes hat mich nicht losgelassen und so kam ich nicht einmal auf die Idee (okay, das ist gelogen), meinen Laptop einzuschalten. Keine Serien gestern. Keine Filme. Nichts, was ich mir (nebenbei) anschaue oder anhöre oder keines von beiden, aber trotzdem laufen lasse. Prokrastinieren (mein Wort des Jahres 2018) kann ich nicht nur in der Prüfungsphase, sondern auch (und das viel öfter), indem ich meine innere Stimme entschieden dorthin zurückschicke, wo sie hergekommen ist, wo sie mich nicht nervt. Sie ist mir oft zu anstrengend. Deswegen soll sie doch einfach ganz verschwinden oder zumindest leiser werden, hinter Bild und Ton.

Aber irgendwann ist Schluss, dann kommt sie zurück, mit viel mehr Kraft. Und ich bin überfordert und weiß nicht mehr, mit ihr umzugehen. Es macht einen großen Unterschied, ob man Serien und Filme schaut, oder ein Buch liest, um sich zu entspannen. Natürlich sind es immer die Geschichten, die uns die eigene vergessen lassen, eben das ist ja das Reizvolle daran, aber wenn ich ein Buch lese, dann arbeitet mein Kopf weiter. Und ich höre mich, denn es gibt ja keinen Ton.

In der nächsten Zeit habe ich in jedem Fall viel zu tun. Meine Ausbeute aus der Stadtbibliothek wird von den noch ungelesenen Büchern aus meinem Regal ergänzt. Bis jetzt sieht der die-muss-ich-im-Urlaub-lesen-Stapel so aus:

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Das Buch von Moyes habe ich heute morgen zufrieden und ein bisschen erschöpft  zusammengeklappt. Ich mag Geschichten ohne Happy End nicht, was auch immer Happy End bedeutet. Es sollte vielleicht nicht zu rund sein, Platz lassen für das, was noch kommt, für das Leben der Figuren, das auch ohne die auf Papier gedruckten Worte weitergeht.